Oder doch nicht? Anfang Mai bekommen deutsche Medien regelmäßig Schnappatmung. Auch 2025 meldete die Deutsche Presse-Agentur:
"Die russischen Biker waren Ende April in Moskau gestartet. Wie im vergangenen Jahr fahren sie auf einer umstrittenen «Siegesfahrt» von Moskau nach Berlin". Der Text wurde zwischen dem 07.05.25 und dem 09.05.25 von vielen, auch namhaften, Medien multipliziert und ausgeschmückt.
Kann das überhaupt stimmen?
Einzelne Führungspersonen sowie der gesamte Nightwolves MC, mit Sitz in Moskau, wurden 2022 in die
Sanktionsliste der EU aufgenommen und unterliegen einem Einreiseverbot.
Ganz offensichtlich ist dpa auf die vollmundigen Ankündigungen der Nachtwölfe hereingefallen und weitere haben das unkritisch übernommen.
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| Ankündigungsplakat: INTERNATIONALER MOTORRADMARSCH „STRASSEN DES SIEGES“ ZUM GEDENKEN AN DEN 80. JAHRESTAG DES GROßEN SIEGES ÜBER DEN FASCHISMUS! |
Vier Routen verliefen innerhalb von Russland
Ein Blick auf den 2025 angekündigten Streckenverlauf. Als Ziel der letzten Etappe auf der маршрут (Marschrut) ist wirklich Berlin angegeben. Wenn man genauer recherchiert, findet man aber heraus, dass selbst die Nachtwölfe nicht davon ausgingen Berlin zu erreichen. Am 5. Mai schrieben sie auf Telegram: "Am 9. Mai wollen die Clubmitglieder Kränze und Blumen am sowjetischen Denkmal im Berliner Treptower Park niederlegen. Ob sie jedoch aufgrund der EU-Sanktionen nach Berlin reisen können, ist noch unklar."
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| Die vier 2025er Etappen in Open Street Map |
Wie man auf der Karte sieht, haben sich die russischen Nachtwölfe ausschließlich durch Russland, Belarus und die besetzten Gebieten der Ukraine bewegt. Die längste Etappe führte von Moskau über die besetzte Krim und den östlichsten Rand des Donbas nach Minsk. Außerdem gab es zwei kürzere Touren durch das südliche Russland, zum Kaspischen Meer und in den Kaukasus mit Abstechern bis knapp an die Georgische Grenze.
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| Nachtwölfe sammelten im russisch besetzten Mariupol Feuer |
Die Hauptaufgabe der russischen Etappen bestand darin, Kriegerdenkmale und Ewigen Flammen aufzusuchen um Feuer in einer Grubenlampe zu sammeln und ins belarusische Brest zu bringen.
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| Übergabefeier der Grubenlampe, links Nachtwolf mit tschechischer Fahne an der Kutte |
Was auch gelang. Die Brester Onlinepresse meldete: "Die Nachtwölfe spendeten dem Museum der Festung Brest eine Grubenlampe, die Fragmente der Ewigen Flamme enthielt."Brest ist Grenzstadt zu Polen. Ob es einen Einreiseversuch der Russen nach Polen gegeben hat, ist nicht überliefert und unwahrscheinlich. Allerdings reisten auch tschechische Motorradfahrer durch Russland und Belarus. Auf dem Foto ist ein Mann mit tschechischer Fahne an der Kleidung zu erkennen.
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| Ein tschechisches Bikerpaar wird für das Lokalfernsehen interviewt |
Auf Filmaufnahmen aus Sewastopol ist außer ihm auch die Frau mit der Sonnenbrille zu erkennen: "Jana Fregalova, Teinehmerin der Motorradfahrt (Tschechien)". Es ist zu vermuten, dass es sich bei den beiden tschechischen Staatsbürgern um die einzigen ausländischen Teilnehmer gehandelt hat. In einem Telegrameintrag der Sewastopoler Gesellschaft "Wissen" heißt es: "Wir haben den Motorradmarsch der Nachtwölfe „Wege des Sieges, Flamme der Erinnerung 2025“ begrüßt. Die Teilnehmer kamen aus allen Regionen unseres Vaterlandes und aus Tschechien."
Die Etappe nach Berlin
Diese führte von einer Kriegsgedenkstätte am Duklapass auf der slowakischen Seite über Bratislava, Brno nach Prag und Berlin. Organisiert wurde dieser Abschnitt von den Ночные Волки MC Европа (Night Wolves MC Europe).
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| Facebookseite der Night Wolves MC Europe |
Laut Tagebucheintragungen auf ihrer Facebookseite, waren Teilnehmer aus der Slowakei, aus Tschechien und Deutschland, an den folgenden Tagen auch aus Österreich und Montenegro mit von der Partie. Dass sie in Bratislava und Prag Demonstranten begegneten, wird in den Fotostrecken auf Facebook nicht erwähnt. Am 6. Mai verabschieden sich die Autoren, der auf Slowakisch und Tschechisch geführten Facebookseite, von den Teilnehmern der tschechischen Etappe der "Siegesfahrt 2025" und kündigen die Weitereise nach Berlin an.
Am selben Tag erreicht die Gruppe über Klingental die Stadt Aue, wie das Onlineportal
Tag24 schreibt: "
Echte Russen-Rocker saßen aber auch diesmal nicht auf den Maschinen ... 25 Motorräder ... 19 Maschinen hatten deutsche Kennzeichen, sechs tschechische. Im Sattel saßen laut Polizei Asphalt-Cowboys aus Bulgarien, Mazedonien, Tschechien, der Slowakei und Deutschland. ... In Aue war der Tross auf 39 Maschinen angewachsen."Am 7. Mai ging es weiter nach Dresden. Von dort über Zwischenstationen in Brandenburg nach Berlin, wo am 9. Mai eine eine beachtenswerte Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten stattfinden sollte. Dazu kam es aber nicht. Der
rbb schreibt: "
Ein großer Teil der prorussischen Rockergruppe "Nachtwölfe" sagte nach Diskussionen mit der Polizei hingegen die angemeldete Fahrt in den Tiergarten ab. Einige Dutzend Teilnehmer hätten die Anweisungen der Polizei zum Ablegen von Westen mit Abzeichen abgelehnt, sagte eine Polizeisprecherin. Daher sei die Fahrt ausgefallen. Am westlichen Stadtrand in Spandau seien die Mitglieder der "Nachtwölfe" dann am frühen Nachmittag in unbekannter Richtung abgefahren, so die Polizeisprecherin. Nur rund 50 Unterstützer der Rockergruppe seien in die Innenstadt bis zum Tiergarten gefahren und hätten Kränze an dem Ehrenmal niedergelegt. Diese Gruppe wollte anschließend noch weiter zum Ehrenmal im Treptower Park fahren, wie die Sprecherin sagte."